Die Walküre

Während mich das „Rheingold“ szenisch überzeugt hat, schleppt sich Rosamund Gilmores Inszenierung der „Walküre“ über weite Strecken recht träge dahin und lässt die Darsteller_innen zu oft unmotiviert in Carl Friedrich Oberles eindrucksvollen Bühnenbildern herumstehen und -gehen. Das Tanzensemble bringt zwar etwas Bewegung ins Geschehen, lenkt aber dafür nicht selten von den entscheidenden Ereignissen ab und wirkt somit eher kontraproduktiv.

Die musikalische Umsetzung lässt dafür keine Wünsche offen. Das Gewandhausorchester spielt noch homogener als im „Rheingold“ und zeigt im Tutti wie in den Soli eine durchgängig beeindruckende Leistung. Vom schroff dahinjagenden Beginn der Oper bis zum warm funkelnden Feuerzauber am Ende gibt es aus dem Orchestergraben mehr zu hören und staunen, als hier beschrieben werden kann. Großartig!

Melanie Diener gibt eine in jeder Hinsicht wunderbare Sieglinde und spielt deren innere Zerrissenheit stimmlich souverän heraus. Allison Oakes meistert sowohl die jauchzenden Walküren-Gesänge als auch die Tragik der letzten Szene kraftvoll und berührend zugleich, wobei die lyrische Seite der Rolle ihr am besten liegt. Kathrin Göring singt erneut die Fricka und verleiht ihr heute noch mehr Charakter als noch gestern im „Rheingold“, was natürlich auch an der viel bedeutungsvolleren Rolle liegt, die Wotans Gattin in der „Walküre“ spielt. Iain Patersons Wotan gefällt mir sängerisch wie darstellerisch um Längen besser als am Vortag. Robert Dean Smith überzeugt als Siegmund vor allem im zweiten Aufzug. Die Verkündigungsszene mit Brünnhilde wird durch ihn zum emotional aufwühlenden Höhepunkt des Abends. Randall Jakobsh als düster bedrohlicher Hunding und die acht vor Energie überschäumenden Walküren runden das mehr als erfreuliche musikalische Gesamtbild dieses Abends gelungen ab.

Fazit: Starke Bilder und spektakulärer Feuerzauber mit echtem Flammenring täuschen nicht über die insgesamt eher uninspirierte Inszenierung hinweg, die aber durch das beeindruckende musikalische Niveau mehr als aufgewogen wird.

Lesen Sie auf der dritten Seite: „Siegfried“

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