Musikalische Zauberei

Musikalische Zauberei

Louis Langrée dirigiert Werke von Dukas, Jongen und Franck. Sie kennen Joseph Jongen noch nicht? Dann wird es höchste Zeit!
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Herbstliches Leuchten

Herbstliches Leuchten

Das Gewandhausorchester unter Vasily Petrenko weckt Tschaikowskis Streicherserenade aus dem viel zu langen Dornröschenschlaf und spielt Prokofjews wundervolle letzte Sinfonie.
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Bilder und Rahmen

Bilder und Rahmen

Bertrand Chamayou entzündet ein virtuoses Feuerwerk, das Gewandhausorchester lädt unter Krzysztof Urbański zum Galerierundgang.
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Wenn Worte nicht ausreichen

Wenn Worte nicht ausreichen

Michael Sanderling dirigiert mit Schostakowitsch’ Sinfonie-Kantate "Babi Jar" ein musikalisches Mahnmahl gegen das Vergessen.
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Meeresstille und glückliche Fahrt

Meeresstille und glückliche Fahrt

Das Gewandhausorchester spielt Schumann zum Niederknien, Hélène Grimaud enttäuscht auf ganzer Linie.
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Erben-Gemeinschaft

Erben-Gemeinschaft

Frank-Michael Erben feiert 25-jähriges Jubiläum als Primarius des Gewandhaus-Quartetts; das Publikum feiert mit.
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Manueller Fokus

Manueller Fokus

Andris Nelsons überzeugt im Gewandhaus mit einer sehr persönlichen Sicht auf Mendelssohn und Schumann.
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Schöne Aussichten?

Schöne Aussichten?

Andris Nelsons und das Gewandhausorchester besteigen einen mächtigen sinfonischen Berg, geraten dabei aber leider manchmal ins Straucheln.
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Frei bis zum Tod

Frei bis zum Tod

Lindy Hume deutet in ihrer Leipziger "Carmen" die Titelheldin als selbstbewusste Frau mit unbedingtem Freiheitswillen, die am Ende einem Stalker zum Opfer fällt.
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Tschingderassabumm!

Tschingderassabumm!

Marin Alsop dirigiert im Großen Concert Werke, die (fast) niemand kennt, und entzündet ein wahres Klangfeuerwerk.
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Louis Langrée dirigiert Werke von Dukas, Jongen und Franck. Sie kennen Joseph Jongen noch nicht? Dann wird es höchste Zeit!

Louis Langrée © Benoit Linero

Joseph Jongens „Symphonie concertante“ für Orgel und Orchester ist für mich persönlich die Neuentdeckung des Jahres. Originell, abwechslungsreich und stilistisch vielgestaltig zeigt sich jenes Werk, das der Belgier Jongen in den Jahren 1926/27 ursprünglich für eine riesige Kaufhausorgel in Philadelphia komponierte. Die enorme Virtuosität des Orgelparts ist vor diesem Hintergrund durchaus verständlich, ging es doch darum, die erweiterte Orgel möglichst effektvoll in Szene zu setzen. Dass Jongen damit den kompositorischen Anspruch trotzdem nicht über Bord geworfen hat, zeigt sich schon in den streng fugierten Eröffnungstakten. Auch darf die Orgel zwar immer wieder solistisch brillieren, wird aber meistens in den Orchestersatz integriert.

Gewandhausorganist Michael Schönheit erweist sich als wahrer Tasten- und Pedalzauberer, der nicht nur die technischen Herausforderungen souverän meistert (in manchen Fällen allerdings auch souverän umschifft), sondern vor allem die musikalischen Verläufe plausibel gestaltet. Dabei wird er dem feierlichen Ernst des ersten Satzes ebenso gerecht wie der vertrackten Rhythmik und Metrik des zweiten oder dem zarten Klangaquarell des dritten. In rasanten Perpetuum mobile der abschließenden Toccata zündet Michael Schönheit dann schließlich ein wahres Feuerwerk der Virtuosität, das einfach nur Spaß macht. Bravo!

Dass auch das Gewandhausorchester heute Abend in Topform ist, hat es bereits in Dukas‘ unverwüstlichem „Zauberlehrling“ bewiesen, der wohl auch dafür gesorgt haben dürfte, dass im Saal nicht noch mehr Sitze frei geblieben sind. Unter der zurückhaltenden, äußerlich eher unspektakulären Leitung des Gastdirigenten Louis Langrée bleibt das Orchester dem Klassik-Evergreen nichts schuldig und verzaubert mit großem Spielwitz und wunderbar getimten Einsätzen. Besonders gut gefällt mir heute jene Stelle, an der Kontrafagott und Bassklarinette kauzig schnarrend die Besen wieder auferstehen lassen. Auch die geheimnisvoll magische Atmosphäre des Beginns ist wunderbar getroffen.

Als drittes Werk steht heute César Francks D-Moll-Sinfonie auf dem Pogramm. Dass Louis Langrée dieses komplexe Werk auswendig dirigiert, zeigt seine Vertrautheit mit dieser Musik; davon wiederum profitiert die Aufführung ungemein. Selten habe ich den Kopfsatz zugleich so melodisch fließend und klanglich differenziert gehört; leider sind manche dynamischen Steigerungen etwas unausgewogen und erreichen ihren jeweiligen Höhepunkt zu früh, was das eigentliche Ziel der Entwicklung etwas seiner Wirkung beraubt. Der überaus kunstvoll angelegte Mittelsatz mit seinem berührenden Englischhorn-Solo lässt keinerlei Wünsche offen. Im festlichen Finalsatz gehen Klangzauber und musikalische Logik eine perfekte Symbiose ein und bilden so den gelungenen Abschluss eines in jeder Hinsicht bereichernden Konzerts. Eines frage ich mich jedoch am Ende: Kann man von Chromatik träumen? Ich werde es herausfinden.

Frank Sindermann

7. März 2019
Gewandhaus, Großer Saal

Gewandhausorchester
Louis Langrée, Dirigent
Michael Schönheit, Orgel