Frank-Michael Erben feiert 25-jähriges Jubiläum als Primarius des Gewandhaus-Quartetts; das Publikum feiert mit.

Gewandhaus-Quartett © Jens Gerber

Das Streichquartett ist wohl der Inbegriff gleichberechtigten Musizierens. Dennoch sind im heutigen Kammerkonzert die Ohren und Augen vor allem auf Primarius Frank-Michael Erben gerichtet, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum in jener Funktion feiert. Dass zu dieser Aufgabe neben dem Musizieren auch ein erheblicher Organisationsaufwand gehört, betont Gewandhausdirektor Andreas Schulz in seiner augenzwinkernden Laudatio. Diese Vorgänge hinter den Kulissen bleiben dem Publikum in der Regel verborgen; die hohe musikalische Qualität des Gewandhaus-Quartetts lässt sich hingegen seit vielen Jahren in Konzerten und auf Tonträgern erleben.

So auch heute. Haydns sogenanntes „Kaiserquartett“ erfährt eine frische und elegante Interpretation, die Extreme meidet und damit im besten Sinne klassisch daherkommt. Schon im ersten Satz verzichten die Musiker_innen des Gewandhausquartetts auf billige folkloristische Effekte und überzeugen stattdessen durch Klangschönheit und Ausgewogenheit, ohne dabei die Widerhaken der Musik zu ignorieren. Der Variationensatz erfreut durch edlen Glanz; gleichwohl könnte das Thema stellenweise noch etwas klarer heraustreten; Im dritten Satz beeindruckt das feine Pianospiel, während der vierte vor allem durch seine fast greifbare Spielfreude besticht.

Mit Robert Schumanns 3. Streichquartett betreten wir ausdrucksmäßig ein völlig anderes Gebiet. Die Musiker_innen um Frank-Michael Erben zeigen sich nun von ihrer leidenschaftlichen Seite, vor allem in der dramatisch synkopierten letzten Variation des 2. Satzes. Der langsame Satz, für mich eine der schönsten und berührendsten Schöpfungen des Komponisten, wird zum Höhepunkt dieses an Ohrwurmmelodien armen, musikalisch aber umso reicheren Quartetts, wenn auch gelegentliche Intonationsprobleme die Dissonanzen noch ein wenig verschärfen. Im Finalsatz überzeugt vor allem die deutliche Herausarbeitung der Kontraste. Licht und Schatten liegen in diesem Satz musikalisch dicht beeinander und werden vom Gewandhausquartett klar getrennt.

Nach der Pause steht Schuberts Streichquintett auf dem Programm. Der als Gast hinzukommende Cellist Andreas Timm fügt sich hervorragend ins Ensemble ein, setzt aber auch eigene Akzente. Erben hat dieses Werk aufgrund der besonderen biografischen Bedeutung für seinen Werdegang als Musiker gewählt und man merkt ihm die hohe Wertschätzung dieser Musik an. Die scheinbar endlos sich erstreckenden Melodielinien des ersten Satzes, das Erlöschen des bewegenden zweiten, der schroffe, zwischen Tanz und Taumeln schwankende dritte, der abwechslungsreiche und farbige vierte Satz: Sie alle werden heute Abend zum Erlebnis. Das Publikum ist begeistert und beklatscht das Ensemble, vor allem aber den sichtlich gerührten heutigen Jubilar, ausgiebig und herzlich.

Frank Sindermann

13. Januar 2019
Gewandhaus, Mendelssohn-Saal

Gewandhaus-Quartett
Andreas Timm, Violoncello

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